Derby Time

Fortuna Sittard gegen MVV. “Dit is de moeder van de Limburgse derbys” wusste der Stadionsprecher bereits vor dem Spiel richtig zu erzählen. Und auch wenn beide Vereine ihre glorreichen Tage schon lange hinter sich haben*, war alles gerüstet für einen tollen Fußballabend. Die anfangs annähernd 10.000 Zuschauer (so viele hat das Sittarder Wagner&Partners Stadion schon sehr lange nicht mehr gesehen) verbreiteten schon vor dem Spiel eine prickelnde (fast schon “de Baandert”-) Atmosphäre. Die Gastgeber ließen es sich sogar nicht nehmen, ihr Vereinslied “Noa Veure Fortuna” vor Spielbeginn gleich zwei mal live singen zu lassen. Sollte die vorsorglich mitgebrachte Zeitung tatsächlich überflüssig gewesen sein?
Auf jeden Fall! Denn was sich dann unten auf dem Platz abspielte, war sein Eintrittsgeld allemal wert. Es sollte ein denkwürdiges Derby werden.
Noch nicht mal alle Zuschauer hatten ihren Sitzplatz gefunden und die ein oder andere Rauchschwade zog noch durch das Stadion, da stand es bereits 0:1 für den Gast aus dem benachbarten Maastricht. Keine fünf Minuten später und auf der Anzeigetafel leuchtete das 0:2 auf. Als dann nach etwa 25 Minuten durch ein wunderschönes Eigentor sogar das 0:3 folgte, verließen bereits die ersten Fans vor Grauen das Stadion. Den Abend hatte man sich wohl etwas anders vorgestellt.
Die verbliebenen Zuschauer sahen eine völlig desolate Heimelf, die sich in ihr Schicksal ergab und kurz nach dem dritten Gegentor zu allem Überfluss (aber völlig zu Recht) mit nur noch noch neun Feldspielern da stand. Zur Halbzeit stand es dann 0:5. Ein Ergebnis wie in der Kreisliga. Für den neutralen Zuschauer jedoch schön, da es viele Tore zu sehen gab. Nichtsdestotrotz war es für zwei Profi-Mannschaften ein Spiel auf erschreckend schwachem Niveau.

In der Halbzeit verzichtete die Stadionregie verständlicherweise auf ein abermaliges Abspielen des Fortuna Clubliedes. Wie später bekannt wurde, versuchten noch während der Pause einige “Fans” aus Frust in die Spielerkabine einzudringen, was jedoch glücklicherweise mißlückte.
Es ging dann munter weiter, denn nach nur zwei Minuten in Halbzeit zwei folgte das 0:6. Es wäre wohl besser gewesen, Trainer Reijners hätte seine verbliebenen 10 Spieler wahllos gegen 10 Zuschauer ersetzt. Schlechter wären diese auch nicht gewesen. Danach hatte die MVV-Übermacht wohl auch keine Lust mehr und das Spiel plätscherte so vor sich hin. Da immer mehr Zuschauer den Ort des Schreckens verließen, konnte das letzte Tor des Tages, eine schöne Direktabnahme, nur noch von etwa 6000 Augenpaaren bewundert werden.
Die Zusammenfassung des Spiels mit allen Toren und einer Kamera gibt es bei RTL zu sehen. Eine umfassender Bericht zu Fortuna war im RUND Magazin Nr. 03/07 auf Seite 54 - 59 zu lesen.
Das zweite Derby des Wochenendes, SV Havert-Stein II gegen VfR Tüddern II, ist wegen Unbespielbarkeit des Platzes leider ausgefallen.
* Ein Blick in die Fußballhistorie zeigt, dass Fortuna schon bessere Tage hinter sich hat und immer wieder Ausgangsverein für große Spieler war. So begannen u.a. Spieler des Schlages Mark van Bommel (stammt aus Maasbracht), Erik Meijer (stammt aus Meerssen) oder Ruud Hesp hier ihre Karriere. Weiterhin gingen u.a. Huub Stevens (stammt aus Sittard), Fernando Ricksen, Patrick Paauwe, Kevin Hofland und Wilfried Bouma durch die berühmte Fortuna-Schule. Auch ein Trainer wie Bert van Marwijk (früher auch ein Spieler des Vereins) begann hier 1998 seine Laufbahn als Profitrainer und erreichte mit Fortuna ein Jahr später das niederländische Pokalfinale.
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